Schwarz Weiß Portrait Lilith

Schwarz und Weiß ist nicht trivial: 7 S/W Portrait-Fotografie Tipps

Dieser Beitrag ist eine deutsche Übersetzung meines englischsprachigen Artikels, der im Original bei viewBug erschienen ist: Black And White Is Not Easy: 7 B&W Portraiture Photography Tips. Ein großes Dankeschön an das Team von viewBug! Es ist nicht unbedingt Altag für mich, einen Artikel für eines der größten Fotografen-Netzwerke weltweit schreiben zu dürfen.

Die Übersetzung von Black And White Is Not Easy: 7 B&W Portraiture Photography Tip

Schwarz-Weiß-Portrait-Fotografie vermag bestimmten Emotionen deutlicher Ausdruck zu verleihen. Während farbige Portraits gelegentlich mit einer deutlichen Vermittlung von Emotionen kämpfen müssen. Du hast vielleicht etwas anderes gehört oder gelesen, aber schwarzweiß zu fotografieren ist nicht einfach – es ist nicht einfach nur in den Monochrom-Modus zu wechseln. Um das perfekte, emotionale schwarzweiß Portraitbild zu erzielen, gibt es sehr viele Dinge, die Du als Fotograf berücksichtigen solltest. Wir (viewBug, Anmerkung von mir) haben uns mit dem Deutschen Tobias Glawe (tobiasglawe) in Verbindung gesetzt. Ein auf Schwarz/Weiß-Portraits spezialisierter Fotograf, der  uns einen Einblick gibt, wie er seine schönen S/W-Portraits fotografiert und erschafft.  Und als Tobias auf seinem viewBug Profil geschrieben hat: „Portraits in schwarz und weiß fügen dem Subjekt eine emotionale Ebene der Komplexität hinzu. Es ist der unverfälschte und vielleicht eleganteste Weg, um Menschen zu fotografieren“, konnte das Team von viewBug einfach nur zustimmen! Hier sind Tobias Top 7 s/w Portrait Tipps.

1. Finde das (richtige) Licht (für Dich)

Bei meiner Arbeitsweise bevorzuge ich natürliches Licht und eine gleichmäßige Ausleuchtung. Daher fotografiere ich meistens mit einem sehr großen Fenster im Rücken und vermeide direktes Sonnenlicht. Das Ergebnis ist ein weicheres Licht – immer ein guter Ansatz, insbesondere für Frauen-Portraits. Stelle sicher, dass Dein Model der hellste Bereich im Bild ist, insbesondere das Gesicht. Versuche außerdem einen Lichtreflex in den Augen Deines Models zu erzeugen, um den Augen Räumlichkeit und Tiefe zu verleihen. Ein möglichst ruhiger Hintergrund ohne ablenkende Elemente ist ebenfalls sehr hilfreich.

Minou Model schwarz weiß Portrait

 

2. Kommuniziere mit Deinem Model

Schwarz/Weiß-Portraits sind in ihren Gestaltungsmitteln deutlich reduziert. Also ist es wichtig, eine gute Balance für jene Gestaltungselemente zu finden, die noch übrig sind: Reduzierung auf das Wesentliche, Goldener Schnitt, Hell/Dunkel-Kontrast.

Dein Model ist der Star: schenke ihm/ihr Aufmerksamkeit, die er/sie verdient. Empathie und Kommunikation sind dabei die Schlüsselfaktoren. Rede mit Deinem Model (Smalltalk ist immer gut), reiße Dein Gegenüber mit, langweile ihn/sie nicht und versuche ihm/ihr die Situation so angenehm wir nur irgendwie möglich zu machen. Der Ausdruck Deines Models ist das wichtigste Gestaltungselement, dass Du hast.

schwarz-weiss Home Shooting rauchend im Bett

 

3. Kenne Deine Kameraeinstellungen

Es ist unerlässlich, Deine Kamera und Ausrüstung mit allen Vor- und Nachteilen zu kennen. Wähle ein Objektiv, dem Du vertraust (Ich bevorzuge 85mm an einer Vollformat DSLR) und nutze den manuellen Modus mit einer Spot-Messung. Den Vorteil den du dadurch gewinnst, sind konstante Resultate. Prüfe regelmäßig die Einstellungen (Verschlusszeit oder Blende) und passe sie an, sollten sich die Gegebenheiten ändern, z.B. der Abstand zur Lichtquelle (oder Fenster). Stelle Den Picture-Style oder die Anzeige Deiner Kamera auf schwarz/weiß, um einen besseren Eindruck vom Ergebnis zu bekommen.

Schwarz

 

4. Habe keine Angst davor manuell zu fokussieren

Letztendlich ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber ich mag es, Portraits annähernd bei Offenblende zwischen f/1,8 und f/2,5 zu fotografieren.

Wenn Du eine DSLR besitzt, unterstützt Dich lediglich die Phasenerkennung des Autofokus (in 90% aller Fälle). Mit 85mm f/1,8 an einer 35mm Spiegelreflexkamera und einem Abstand von knapp 2,5 Metern, beträgt der Tiefenschärfe-Bereich lediglich 8,6 cm. Um das mit dem Autofokus zu handhaben, benötigst Du eine ganze Reihe gut arbeitender Autofokus-Punkte und ein perfekt justiertes Objektiv ohne Front- oder Back-Focus-Fehler.

Wenn Du bei Offenblende fotografierst, stelle Dich darauf ein, häufiger manuell zu fokussieren oder nachzufokussieren (schätze Dich glücklich, wenn Dein Objektiv einen kombinierten Fokus hat, viele moderne Objektive haben diese Funktion).

schwarz-weiß Portrait von Larissa

 

5. Belichte unter

Als Allererstes: Fotografiere RAW. Ein großer Vorteil ist, auch wenn Du eine Monochrom-Vorschau eingestellt hast, erhältst Du farbige RAW-Daten, anstatt schwarzweiß Jpegs. Ein weiterer Tipp: Deine Portraits gezielt unterbelichten. Abhängig vom Hautton des Models und den Eigenschaften der Kamera, z.B. eine 1/3 Blende für dunklere Haut bis zu einer 2/3 Blende für hellere Haut.

Das sind allerdings nur grobe Richtlinien, da jede Lichtsituation und jede Kamera unterschiedlich ist – Du musst es leider selbst herausfinden.

Wie findet man nun heraus, wie sehr man ein Foto unterbelichten sollte? Versuche die natürlichen Schattenwürfe auf den Wangen, auf der Kieferpartie und unter den Lippen auf dem Foto einzufangen. Wenn diese Schatten nicht mehr zu sehen sind, ist das Foto überbelichtet. In überbelichteten Bildern gehen diese Schatten verloren und Du bekommst ein eher flaches Ergebnis. Diese Schatten in der Nachbearbeitung wiederherzustellen ist sehr fehleranfällig und frustrierend. Es ist deutlich einfacher, eine geringe Unterbelichtung zu korrigieren, als ein überbelichtetes Bild. Und es gibt einige Möglichkeiten, die Helligkeit in der Nachbearbeitung zu beeinflussen: HSL, Gradationskurven, etc.

Model Katharina im Studio, Portait s/w

 

6. Bearbeite das farbige Bild

Die meisten modernen Retusche-Techniken wie etwa Frequenztrennung oder Gradient Maps sind für Schwarzweiß-Bilder nicht geeignet. Also ist es absolut empfehlenswert die Bearbeitung an der farbigen Version des Bildes durchzuführen. Dies hilft auch dabei, fleckige Hautpartien zu vermeiden.

Schwarz Weiß Portrait Kristina

 

7. Jedes Bild ist einzigartig

Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes einzelne Schwarz/Weiß-Foto einzigartig ist und eine individuelle Schwarzweiß-Konvertierung benötigt. In der Vergangenheit habe ich diverse Tools und Mittel genutzt, aber ich schätze seit einiger Zeit die Möglichkeiten von Alien Skin Exposure sehr.
Mein Startpunkt für die Konvertierung ist ein individualisiertes Preset eines S/W-Films. Zu berücksichtigen sind dabei die verschiedenen, einzigartigen, Eigenschaften eines Bildes. Einstellungen wie Farbkanäle, Klarheit und die Gradationskurven variieren dabei je nach Hautfarbe, Haarfarbe, Make-Up und Helligkeitsverteilung.

Resümee

Vielen Dank an Viewbug für diese Möglichkeit!

4 Kommentare
  1. Andre Leisner
    Andre Leisner says:

    Hallo Tobias,

    danke, für Deine Tipps. Einfach und verständlich, sowie praxisnah erklärt. Du hast mir ein paar Fragen beantwortet, die ich mir selbst immer wieder stelle, wie zum Beispiel, das Thema der Unterbelichtung. Aber auch das Thema manuelle fokussieren finde ich spannend und ich muss gestehen, dass ich mich stellenweise da einfach nicht rantraue, weil ich Angst habe, eher ein unscharfes Bild zu produzieren. Aber ich werde es auf jeden Fall Mals ausprobieren. 🙂

    Viele Grüße aus Lübeck
    André

    Antworten
    • Tobias
      Tobias says:

      Moin, André 🙂
      das Problem bei Offenblende zu arbeiten kennen wir doch alle zu gut: zu 100% lässt sich Ausschuss dann nie vermeiden. Aber gerade in Bezug dessen, hilft mir persönlich auch der Back Button Focus sehr.

      Antworten

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